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Ein persönlicher Blick auf faire Preise, Ausbeutung und echte Anerkennung

Heute gibt es keinen klassischen DIY-Beitrag, keine Anleitung und kein neues Muster – sondern ein paar Gedanken, die mir aus aktuellem Anlass besonders am Herzen liegen.

Es geht um etwas, das uns alle betrifft, die kreativ arbeiten: den Wert unserer eigenen Arbeit. Denn ganz egal, ob du häkelst, strickst, nähst oder auf andere Weise Dinge mit deinen Händen erschaffst – deine Zeit, dein Können und dein Wissen haben einen Wert. Und dieser Wert ist oft deutlich höher, als wir selbst glauben.

Nur wenn wir uns dessen bewusst sind, können wir auch dafür einstehen.

London, Eindrücke und ein Moment, der nachwirkt

In der Woche vor Ostern war ich in London und habe – wie so oft – viele Eindrücke mit nach Hause genommen. Diese Stadt begleitet mich schon seit meiner Jugend, und jedes Mal fühlt es sich ein wenig wie „nach Hause kommen“ an.

London hat eine ganz eigene Atmosphäre. Man erkennt die Stadt sofort – an den roten Doppeldeckerbussen, den Briefkästen, den schwarzen Taxis oder den ikonischen Telefonzellen, die inzwischen eher nostalgisch als funktional wirken. Gleichzeitig ist London voller Gegensätze: historisch und modern, reich und arm, laut und ruhig – oft nur wenige Straßen voneinander entfernt.

Gerade diese Gegensätze machen die Stadt spannend. Und genau in diesem Spannungsfeld ist mir etwas begegnet, das mich nicht mehr losgelassen hat.

Wenn Handarbeit plötzlich verdächtig günstig wird

Vielleicht warst du schon einmal auf dem Camden Market. Zwischen Streetfood, Vintage-Läden und kleinen Ständen gibt es dort alles – auch Handarbeit.

Ich entdeckte zwei Stände mit gehäkelten Figuren: Blumen, Tiere, kleine Puppen. Liebevoll gestaltet, farbenfroh und auf den ersten Blick genau das, was man sich unter handgemachten Produkten vorstellt.

Der Preis allerdings ließ mich innehalten: etwa 12 Pfund pro Stück.

Wenn man selbst häkelt, beginnt man automatisch zu rechnen. Garn, Zeit, Aufwand – all das passt nicht zu diesem Preis. Während ich noch darüber nachdachte, fiel mir eine Mitarbeiterin auf, die Schlüsselanhänger zum Nachfüllen aus einem riesigen Plastikbeutel holte. Die Menge war beeindruckend – und gleichzeitig ernüchternd.

Denn in diesem Moment wurde aus der schönen Idee von Handarbeit eine ganz andere Realität: Massenproduktion, die vermutlich unter Bedingungen stattfindet, die wenig mit dem zu tun haben, was wir uns unter fairer Handarbeit vorstellen.

Ein ähnliches Gefühl hatte ich ein paar Tage später im Shop der Tate Modern. Dort wurden gehäkelte Figuren für etwa 35 Pfund verkauft – versehen mit dem Hinweis, sie seien „fair produziert“.

Und dennoch blieb ein Zweifel.

Denn selbst wenn man wohlwollend kalkuliert: Material, Herstellung, Transport, Personal, Verkaufsfläche und Gewinn – wie viel bleibt am Ende für die Person übrig, die diese Arbeit tatsächlich gemacht hat?

Diese Fragen sind unbequem, aber wichtig. Denn sie zeigen, wie leicht wir uns von Begriffen wie „handmade“ oder „fair“ beruhigen lassen, ohne wirklich hinzusehen.

Warum wir den Wert von Handarbeit oft unterschätzen

Wir leben in einer Zeit, in der Produkte jederzeit verfügbar sind – schnell, günstig und austauschbar. Das hat unsere Wahrnehmung verändert. Dinge dürfen wenig kosten, weil sie jederzeit ersetzbar sind.

Handarbeit passt nicht in dieses System.

Sie braucht Zeit.
Sie ist individuell.
Sie ist nicht beliebig reproduzierbar.

Und genau deshalb erscheint sie vielen als „zu teuer“, obwohl sie in Wahrheit oft nur realistisch bepreist ist.

Handarbeit ist mehr als Material

Wenn du etwas mit deinen Händen erschaffst, gibst du mehr als nur das verwendete Material weiter. In jedem Stück steckt Zeit, Konzentration, Erfahrung und auch ein Teil deiner Persönlichkeit.

Ein gehäkeltes oder gestricktes Werk entsteht nicht nebenbei – auch wenn es sich manchmal so anfühlt. Es begleitet dich über Stunden, manchmal Tage. Es wächst Reihe für Reihe und wird dabei zu etwas Einzigartigem.

Und genau dieser Prozess wird bei der Preisgestaltung so oft übersehen.

„Ich mache das doch nur nebenbei“ – ein trügerischer Gedanke

Viele relativieren ihre Arbeit selbst mit Sätzen wie: „Ich mache das ja nur abends auf dem Sofa.“

Doch diese Zeit ist nicht weniger wert. Im Gegenteil – es ist deine freie Zeit. Zeit, die du genauso gut mit Nichtstun, Lesen oder anderen Dingen verbringen könntest.

Nur weil du dich entscheidest, kreativ zu sein, verliert diese Zeit nicht an Bedeutung.

Wenn du deine Arbeit verkaufst, verkaufst du immer auch ein Stück dieser Zeit.

Warum zu niedrige Preise allen schaden

Ein Punkt, der mir besonders wichtig ist: Wenn wir unsere Arbeit unter Wert verkaufen, hat das nicht nur Auswirkungen auf uns selbst.

Es beeinflusst auch die Wahrnehmung von Handarbeit insgesamt.

Wenn handgestrickte Socken oder gehäkelte Amigurumi für 10 € angeboten werden, entsteht ein verzerrtes Bild davon, was solche Arbeit „wert sein darf“. Für andere wird es dadurch schwieriger, faire Preise zu verlangen, ohne sich erklären zu müssen.

Langfristig schadet das einem ganzen kreativen Bereich.

Ein einfacher Vergleich, der vieles klar macht

Wenn du einen Handwerker beauftragst, erwartest du nicht, dass er nur das Material berechnet. Du zahlst für seine Zeit, seine Ausbildung, Erfahrung und sein Können.

Warum sollte das bei deiner eigenen Arbeit anders sein?

Handarbeit als Luxus – und warum das völlig in Ordnung ist

Der Begriff „Luxus“ wird oft missverstanden. Er bedeutet nicht automatisch etwas Übertriebenes oder Unnötiges, sondern etwas Besonderes, etwas mit einem Mehrwert über das Funktionale hinaus.

Handarbeit gehört genau in diese Kategorie.

Niemand ist auf handgestrickte Socken oder selbst gehäkeltes Spielzeug angewiesen – aber viele wissen diese Dinge zu schätzen. Gerade weil sie nicht austauschbar sind, weil sie mit Sorgfalt gefertigt wurden und weil sie eine Geschichte erzählen.

Und genau deshalb darf Handarbeit ihren Preis haben.

Wie die Idee mit den Labels wirklich entstanden ist

Vielleicht hast du auf meinem Blog schon die Banderolen entdeckt, die ursprünglich dafür gedacht waren, kleine Projekte wie Spültücher oder Waschlappen hübsch zu verpacken.

Die Idee für zusätzliche Labels entstand tatsächlich ganz praktisch: Beim Häkeln eines Topflappens wollte ich ihn für Fotos ansprechend in Szene setzen. Ein kleines Detail sollte ihn besonders machen – etwas, das sofort zeigt, worum es geht.

So entstanden erste kleine Schriftzüge wie „handmade“, „Topfheld“ oder „Küchenhilfe“.

Während ich daran gearbeitet habe, wurde mir aber etwas klar: Diese kleinen Labels können mehr als nur dekorativ sein. Sie können sichtbar machen, was sonst oft übersehen wird – nämlich die Tatsache, dass es sich um echte Handarbeit handelt.

Deshalb habe ich weitere neutrale Varianten ergänzt, wie „Lieblingsstück“ oder „für dich gehäkelt“. Sie eignen sich nicht nur zum Verpacken, sondern auch als bewusstes Zeichen von Wertschätzung.

Wenn du jetzt denkst, ich würde aber lieber den Topflappen mit dem Label verschenken – ja, ich bin dabei und die Anleitung zum Topflappen kommt in der nächsten Woche! Ich muss nämlich noch testen, ob der Stich hält, was er namentlich verspricht ;)) Kannst du dir denken, um welchen Stich es sich handelt? Das würde mich echt interessieren.

Kleine Details, große Wirkung

Ein Label verändert nicht das Produkt selbst – aber die Wahrnehmung.

Es macht sichtbar, dass hier Zeit investiert wurde. Dass jemand sich Mühe gegeben hat. Dass dieses Stück nicht einfach maschinell produziert, sondern von Hand hergestellt wurde.

Und auch bei Geschenken kann das eine ganz neue Ebene schaffen. Es wird nicht nur etwas überreicht, sondern auch die Geschichte dahinter.

Wertschätzung beginnt bei dir selbst

Am Ende hängt vieles davon ab, wie wir selbst unsere Arbeit sehen.

Wenn wir sie kleinreden, wird sie auch von außen oft so wahrgenommen. Wenn wir jedoch klar kommunizieren, was in unseren Produkten steckt, verändert sich auch die Reaktion darauf.

Das bedeutet nicht, dass jede*r automatisch bereit ist, höhere Preise zu zahlen. Aber es bedeutet, dass du für deinen Wert einstehst – und genau das ist der erste Schritt.

Das bedeutet auch nicht, dass du deine selbst gehäkelten oder gestrickten Sachen nicht mehr verschenken sollst – aber mach dich dabei nicht klein und sage Sätze wie: nicht der Rede wert, das habe ich eben mal schnell gehäkelt. Nein! Genau DAS hast du nämlich nicht!

Fazit: Mehr Bewusstsein für den Wert von Handarbeit

Handarbeit ist kein Nebenprodukt und kein „schnell mal gemacht“. Sie ist das Ergebnis von Zeit, Können, Kreativität und Hingabe.

Vielleicht hilft dir dieser Artikel, deinen eigenen Blick darauf ein Stück zu verändern – sowohl auf deine eigene Arbeit als auch auf die anderer.

Denn echte Handarbeit ist ein Luxus.
Und sie darf auch als solcher behandelt werden.

Gerade in Zeiten von KI – aber das ist ein anders Thema 😉

Label zum Ausdrucken

Drucke dir gerne meine Label aus und hänge sie an deine Arbeit. Ursprünglich hatte ich die Label für Topflappen gestaltet. Es sollte auf den ersten Blick erkennbar sein, um was es hier geht – immer versehen mit einem kleinen Augenzwinkern (ihr kennt mich mittlerweile ;)). Mein Gedanke dahinter war, ein ‚Grundlabel‘ mit handemade ♥ zu entwerfen und jeder darf nach Gefallen oder Vorlieben, einen zweiten Anhänger dazu hängen. Diese Label sind etwas kürzer, sodass das kleine Herz sichtbar bleibt.

Es ist also eine Reihe Anhänger für Topflappen und eine Reihe mit ’neutralen‘ Anhängern entstanden. Du kannst aber auch alles wild durcheinander schmeißen – oder besser anhängen.

Druck dir die Label am besten auf etwas dickerem Papier aus. Du kannst gerne auch Kraftpapier verwenden – wenn dein Drucker das verarbeiten kann.

Viel Spaß beim Verschenken oder Verkaufen, deiner handgefertigten Sachen!!!


Inspirationen und Häkelanleitungen zum Verschenken findest du auf meinem Blog oder auch bei Instagram.