
Was sind Amigurumi?
Bevor es mit den Tipps rund ums Amigurumi häkeln losgeht, klären wir erst einmal die Frage, was sind denn überhaupt Amigurumi?
Amigurumi ist ein japanisches Wort, welches sinngemäß übersetzt, kleines gehäkeltes oder gestricktes Kuscheltier mit Füllung bedeutet.
Jetzt weißt du, was sich hinter dem Wort verbirgt. Im Grunde sind Amigurumi nichts anderes, als kleine gehäkelte (oder gestrickte) Puppen, Tiere oder auch Essen. Die Figuren bedienen immer das Kindchenschema und sehen daher besonders süß aus. Das Gemüse und Obst oder andere gegenständliche Dinge bekommen natürlich auch alle ein Gesicht – denn genau das macht ein echtes Amigurumi aus.
Mittlerweile gibt es unendlich viele Anleitungen zu den unterschiedlichsten Themenwelten. Damit du aber gut in dein erstes Häkelabenteuer starten kannst, habe ich dir hier einige Tipps rund ums Häkeln der niedlichen Figuren mitgebracht.
Wenn du schon fortgeschritten im Häkeln von Amigurumi bist, dann darfst du trotzdem gerne weiterlesen, viellleicht findest du ja auch noch einen Tipp, den du noch nicht kanntest. Gerne darfst du auch unter dem Beitrag einen Kommentar schreiben – falls du zu einer bestimmten Technik eine Frage hast oder wenn sich beim Lesen weitere Fragen ergeben haben.
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Materialen: was brauchst du alles?
Kommen wir nun zum wahrscheinlich wichtigsten Teil – dem Material. Wenn du gute Ergebnisse erzielen möchtest, dann ist es unumgänglich, dass du früher oder später in gutes Handwerkszeug und hochwertige Materialien investieren solltest.
Eine gute Häkelnadel erkennst du daran, dass sie gut in deiner Hand liegt und auch bei längerem Häkeln keine Schmerzen verursacht. Weiterhin sollte sie ohne Probleme durch deine Maschen gleiten. Fühlst du da einen Widerstand, Unebenheiten oder raue Stellen, dann ist es Zeit, dir eine neue Nadel zu gönnen.
Kommen wir zum Garn. Amigurumi werden in der Regel mit 100%igem Baumwollgarn gehäkelt. Auch hier finden sich Qualitätsunterschiede. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass du darauf achten solltest, dass dein Garn gut verzwirnt ist und sich beim Häkeln nicht auffächert. (Zur Erklärung: ein Garnfaden besteht aus kleineren einzelnen Fäden, die miteinander verzwirnt werden.) Das ist ärgerlich, denn gerade als Anfänger wird es dir dann passieren, dass du oft nicht den gesamten Faden erfasst. Es passiert dann ganz schnell, dass ein einzelnes dünnes Fädchen nicht mit der Häkelnadel erfasst wird und dieser dann unsauber irgendwo absteht. Das ist ärgerlich. Entweder du machst bis zu dieser Stelle alles wieder auf oder du lässt es so und ärgerst dich vllt hinterher über dein unruhiges Maschenbild.
Was du auf jeden Fall auch benötigst, ist Füllwatte. Bitte nicht mit handelsüblicher Kosmetikwatte verwechseln. Welche Art von Füllwatte hier die beste für dich ist, kann ich nicht pauschal beantworten – auch hier gibt es Qualitätsunterschiede. Am besten, du bist da offen und probierst dich einfach mal durch.
Um die Füllwatte gut in die Einzelteile deiner Figuren zu bekommen, ist es manchmal hilfreich, wenn man hierfür kleine Holzspieße verwendet oder Pinzetten. Wenn die Öffnung etwas größer ist, kann auch die Rückseite deiner Häkelnadel ein gutes Werkzeug sein.
Für dein neues Amigurumi benötigst du noch sogenannte Sicherheitsaugen. Diese schwarzen Knopfaugen sind das typische Merkmal dieser Handarbeit. Es gibt sie in unterschiedlichen Größen und auch Formen. Da richtest du dich am besten nach den Angaben der Anleitung. Alternativ kannst du diese sonst auch aufsticken.
Eine Wollnadel mit stumpfer Spitze solltest du auch besitzen, damit werden die Einzelteile zusammengenäht und/oder Öffnungen verschlossen. Zum Annähen sind Stecknadeln ganz hilfreich, so kann vor dem Annähen geschaut werden, ob die Position der Einzelteile an der richtigen Stelle sitzen.
Ansonsten ist noch eine kleine Nähschere sinnvoll und evtl. kleine Maschenmarkierer.

Meine 9 Tipps rund um das Häkeln von Amigurumi
Mit ein paar Tipps und Tricks und natürlich etwas Übung, bekommen deine Amigurumi schnell ein tolles Aussehen und du verleihst ihnen das gewisse Etwas.
1. Lückenloser Start
Die meisten Teile der Amigurumi beginnen mit einem Fadenring. Diese Technik wird auch Maschenring, Magic Ring oder Luftmaschenring genannt – wie auch immer du diese Technik nennst, du musst sie beherrschen, denn ohne diese essentielle Technik, geht beim Amigurumihäkeln gar nichts. Falls du noch nie einen Fadenring gehäkelt hast, dann findest du bei YouTube dazu unzählige Anleitungen mit teilweise unterschiedlichen Techniken. Am besten, du suchst dir eine Technik heraus und übst.
Warum brauchst du diesen Fadenring? Er lässt sich so zuziehen, dass kein unnötiges Loch entsteht, durch welches man später die Füllwatte durchblitzen sieht.
2. Runde um Runde
In der Regel werden die Einzelteile der Amigurumi in Spiralrunden gehäkelt. Das bedeutet, du häkelst immer weiter, ohne deine Runde durch eine Km und der dann folgenden Steigeluftmasche zu beenden bzw. zu beginnen. Diese Technik hat eine große optische Wirkung, daher solltest du dich auch an die Vorgaben der Designer halten.
Wenn du nun in Spiralrunden häkelst, ist es sehr sinnvoll, dass du dir den Rundenanfang mit einem Maschenmarkierer kennzeichnest oder du legst einen farbigen Kontrastfaden zwischen deine einzelnen Runden. So weißt du immer, wo deine neue Runde beginnt.
Ich persönlich arbeite mit einem Markierungsfaden, denn wenn ich mal was ribbeln muss, ist nicht nur die eine Runde gekennzeichnet, sondern einige und ich kann einfacher bis zu einer bestimmten Stelle auftrennen.

3. Blickdicht
Was du unbedingt beim Häkeln von Amigurumi vermeiden solltest, ist, dass man die Füllwatte durch deine Maschen sehen kann. Bei heller Wolle ist das vielleicht nicht ganz so unschön, bei dunklem Garn sieht es einfach unsauber aus.
Daher solltest du immer die kleinste Nadelstärke wählen, die auf der Banderole deines Garns angegeben ist. Häkelst du generell eher locker, nimm eine noch kleinere Häkeladel.
In der Regel werden Amigurumi mit festen Maschen gehäkelt. So erhältst du eine glatte Oberfläche, durch die man deine Füllwatte nicht erkennen kann.
Diesen Effekt kannst du sogar noch ein wenig unterstützen, indem du sogenannte Kreuzmaschen (x-Maschen) häkelst, als die sonst üblichen festen Maschen, die ein ‚v‘ bilden und daher auch v-Maschen genannt werden.
Im folgenden Beitrag gehe ich auf diese Thema etwas genauer ein.
4. Mitgezählt
Wenn du nach einem vorgegebenen Design arbeitest, dann solltest du dich auch nach den Angaben der Gesamtzahl der Maschen einer Runde richten. Achte darauf, dass deine gehäkelten Maschen mit der Angabe im Design übereinstimmen. Sonst stimmt am Ende das Gesamtbild nicht.
Der einfachste Trick ist hier tatsächlich das Mitzählen – das Einmaleins sitzt plötzlich wieder 😉
5. Abnehmen leicht gemacht
Wie du die Zu- und Abnahmen häkelst ist ganz entscheidend für das spätere Aussehen deines Amigurumi.
Eine Zunahme häkelst du, indem du in die gleiche M, in der du zunehmen sollst, einfach noch eine Masche häkelst. Somit hast du diese Masche verdoppelt. Das ist wirklich kein Hexenwerk.
Bei den Abnahmen ist es so, dass du aus zwei Maschen eine Masche machen musst. Wenn du in Reihen arbeitest, stichst du in die erste Masche ein, holst deinen Faden und stichst danach direkt durch die zweite Masche und holst nochmals den Faden und maschst dann alle Umschläge auf deiner Häkelnadel gemeinsam ab.
Hier geht es aber um die Abnahme in Runden. Wenn du deine Abnahme jetzt so häkelst, wie oben beschrieben, erzeugst du ein Loch. Wie du schon mitbekommen hast, wollen wir aber möglichst diese Löcher vermeiden.
Daher gibt es einen kleinen Trick, du stichst mit deiner Häkelnadel durch die beiden vorderen Maschenglieder der Maschen, die zu zusammenhäkeln möchtest. Holst den Faden durch beide vorderen M-Glieder und maschst dann deine neue Masche wie gewohnt ab.
So hast du eine Masche abgenommen oder zusammengehäkelt – wie du das nennst, ist egal – und dein Loch bei der Abnahme möglichst klein gehalten.
Du brauchst ein Foto, um dir die Sache besser verstehen zu können? Die unsichtbare Abnahme habe ich hier mit Hilfe von einem Foto erklärt.
6. Sicherheit geht vor
Wenn du Sicherheitsaugen verwenden möchtest, dann nutze im Vorfeld Stecknadeln um zu prüfen, ob dir die spätere Lage so gefällt. Denn durch das Einsetzen der Augen, werden die umliegenden Maschen etwas zusammengeschoben und es bleibt ein unschönes Loch, wenn du sie wieder entfernen musst. Daher prüfe die Lage der Augen vorher gut und setze sie erst dann ein.
Es gibt Sicherheitsaugen, die mit einer Metallplatte hinten gesichert werden. Diese sind ganz besonders für Spielzeug geeignet und sollten genutzt werden, wenn du deine Amigurumi verkaufen möchtest oder generell, wenn Kinder damit spielen.
Günstigere Sicherheitsaugen lassen sich allerdings auch sicher in deinem neuen Geschöpf verankern, wenn du, nachdem du die Sicherheitsscheibe auf den Schaft gesteckt hast, den Schaft des Auges mit einem Feuerzeug ankokelst und platt drückst. Aber Achtung, behalte die Flamme im Auge!!!



So kannst du verhindern, dass diese nicht ganz so fest sitzenden Plastikscheiben sich von dem Schaft lösen und rausfallen können.
Wenn du auf Sicherheitsaugen verzichten möchtest, dann kannst du die Augen auch aufsticken.
7. Kuschelkram
Das Füllen deiner Amigurumi muss tatsächlich auch ein wenig geübt werden. Auch hier gilt, je mehr Erfahrungen du hier sammelst, desto besser wirst du.
Auf was solltest du achten? Stopfe deine Arbeit kontinuierlich, denn ansonsten wird es sehr schwierig, wenn du am Ende, die riesige Menge an Füllwatte (ja, man braucht wirklich mehr als man denkt) durch ein kleines Loch gleichmäßig im Körper verteilen musst. Fülle die Watte aber nie ganz bis zu deiner Arbeitsreihe, denn sonst ist dir die Watte beim Häkeln im Weg. Prüfe immer wieder mit den Händen durch leichten Druck auf deine Arbeit, ob die Füllwatte überall gut verteilt ist. Dadurch merkst du sehr schnell, wo noch ein bisschen nachgestopft werden muss. Zum Ende hin, ist es wichtig, dass du die letzten Runden ebenfalls gut mit Füllwatte ausstopfst, damit auch dort, die Form gut herausgearbeitet wird.
Wenn die Öffnung zu schmal ist, um mit dem Finger die Wolle zu stopfen, bietet es sich an, hierfür ein Holzstäbchen zu nutzen. Die Einwegstäbchen vom Asiaten oder ein Holzstiel vom letzten Eis am Stiel sind hier perfekte Tools.
Wichtig ist es auch, dass du schmale Stellen, wie z.B. den Hals einer Puppe sehr gut und fest mit Füllwatte ausstopfst, denn sonst passiert es sehr schnell, dass deine Figur den Kopf hängen lässt. Falls das Spielzeug nicht für Kinder gefertigt wird, kannst du in den Hals auch gerne etwas Draht mit einarbeiten, dann bleibt alles super stabil.
Auf ein Phänomen möchte ich noch kurz eingehen. Du hast deine Arbeit super gestopft, hast alles perfekt beendet und du bist super zufrieden. Du stellst dein Tier, deine Puppe o.ä. in dein Regal. Niemand spielt damit, es steht nur rum. Nach ein paar Wochen nimmst du deine Arbeit aus dem Regal – abstauben muss ja ab und zu auch mal sein – und bist plötzlich total verwundert, weil du deine Arbeit doch richtig gut und fest gestopft hattest und jetzt fühlt sie sich fast labbrig an. Was ist da passiert?
Die Erklärung liegt in deinem Maschenbild. Wenn du nicht fest genug häkelst, geben deine Maschen dem Druck der Füllwatte nach und weiten sich minimal. Somit ist deine Arbeit nicht mehr prall gefüllt und fühlt sich nun viel weicher an. Was kannst du also tun? Wähle eine Häkelnadel kleiner und ändere ggf. dein Maschenbild und häkle x-Maschen.

Auf dem Foto siehst du zwei unterschiedliche Arten von Füllwatte. Auf der linken Seite siehst du sogenannte ‚Power‘ oder ‚Super‘-Füll Füllwatte. Dort sind die einzelnen Fasern mit Silikon ummantelt, sodass sie ihre Sprungkraft bewahrt, auch wenn sie stark zusammengedrückt wird.
Auf der rechten Seite siehst du sogar recycelte Füllwatte – ich hatte sie bestellt und dachte, die wäre mit Sicherheit grau (was ja nicht schlimm ist, denn man soll von der Watte am Ende ja eh nichts mehr sehen), aber sie ist fast genauso schneeweiß, wie die andere Watte. Bei ihr verhält es sich aber mit der Sprungkraft anders, du kannst diese Watte sehr gut zusammenknüllen und sie bleibt dann auch so.
Ich nutze beide Arten von Füllwatte. Die rechte, um kleine Ecken gut und dauerhaft ausstopfen zu können und die linke, wenn ich größere Sachen ausstopfe, wie Köpfe oder Körper.
8. Der Einzelteile-Horror
Das ist sicherlich, gerade für Anfänger, eine große Herausforderung. Mit ein bisschen Übung, wirst du aber auch hierbei sicherer und bekommst das gut hin.
Das Wichtigste vor dem Annähen ist das Feststecken mit Stecknadeln. Fixiere die Einzelteile an dem Körper und nun drehe den Körper in alle Richtungen und schaue, ob alles gerade und auf der richtigen Ebene sitzt. Nutze zur Orientierung die einzelnen Reihen und Linien in deiner Häkeltextur. Zähle die einzelnen Maschen ab.


Erst wenn du sicher bist, dass alles an seinem richtigen Platz sitzt, beginnst du mit dem Annähen. Gehe dabei langsam und mit Bedacht vor. Nimm dir für diesen Vorgang wirklich Zeit, denn das Annähen ist oft der entscheidende Faktor, wie deine Arbeit am Ende aussieht.
Vielen Anfängern hilft auch eine Nadel mit gebogener Spitze (siehe Foto oben) beim Annähen. Ich persönlich habe für mich festgestellt, es bringt nicht viel, denn so eine gekrümmte Nadel ersetzt leider nicht die Übung 😉
Falls dir dann doch beim Annähen ein Fehler unterlaufen ist, oder ein Teil nicht so schön sitzt, wie du dir das vorgestellt hast, dann trenne die Naht wieder auf und beginne von vorne – am besten an einem anderen Tag.
Da ich selbst nicht gerne annähe, versuche ich immer meine Anleitungen so zu gestalten, dass möglichst wenig angenäht werden muss 🙂 und wenn, dann möglichst in einer geraden Linie. Aber manchmal lässt sich das eben nicht vermeiden.
9. Wer ist die Schönste
Wenn du deinem Amigurumi ein frisches Aussehen verpassen möchtest, dann verteile auf seinen Wangen ein wenig Rouge oder Lidschatten. Den gleichen Effekt kannst du auch mit Pastellkreide erhalten. Für Sommersprossen eignet sich ein Fineliner in Braun.
Du kannst dein Objekt auch mit Wasserfarbe oder Deckweiß anmalen, je nachdem, welchen Effekt du erzielen möchtest.
Beginne immer mit ein wenig Farbe oder Rouge und steigere die Intensität. So hast du eine bessere Kontrolle über dein Endergebnis, denn zu viel Farbe lässt sich nur mit einem Waschgang entfernen.
Sollte das neue Kuscheltier oder die Puppe für ein (Klein-) Kind sein, dann verzichte lieber darauf Schminke oder ähnliches.
Das gilt auch für die sogenannten Puppenbrillen. Auch sie geben einem fertigen Werk ein ganz individuelles Aussehen, sind aber kein Kinderspielzeug.


Das waren jetzt eine ganze Menge Tipps auf einmal. Wahrscheinlich wirst du sie dir nicht alle direkt merken können oder sie gar umsetzen.
Aber, du weißt jetzt, wo du es nachlesen kannst. Fang am besten damit an, immer einen Tipp zu beherzigen und wenn du merkst, dass es zu Routine geworden ist, suchst du dir den nächsten Tipp und setzt ihn um.
Denn denke immer daran:
Häkeln macht glücklich. Mehr häkeln macht glücklicher!
@TOTAL verhäkelt – Silke Guhlmann
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Hier findest du weitere Tipps & Tricks rund ums häkeln:
Hier findest du ein paar einfache Häkelanleitungen, bei denen du das Gelernte direkt umsetzen kannst:



